Berlin: Elternzeit mal anders

Mama sein

 

Gedanken über die 12. Woche (30.09.-06.10.2019)

Ich bin Mama.

Mama von zwei wunderschönen Kindern.

Mama einer Tochter, geboren im März 2017.

Mama eines Sohnes, geboren im Januar 2019.

Als ich das erste Mal schwanger wurde, habe ich mich sehr gefreut.

Ich wollte immer gerne Kinder haben.

Und ich habe die Schwangerschaft sehr genossen.

Alle freuen sich mit einem.

Fiebern mit.

Ich hatte große Erwartungen.

„Mama sein ist das Schönste, was es gibt.“

„Die Liebe, die man empfindet, ist unermesslich.“

„Die Schmerzen der Geburt vergisst man sofort wieder.“

„Bald hast du frei – ich beneide dich.“

So die Leute um mich herum.

Ja, ich hatte große Erwartungen.

An mich selbst.

An meine noch ungeborene Tochter.

An meinen Mann.

Die Geburt war total anders als erwartet.

Einleitung, PDA, Saugglocke.

Das Gefühl, schon da als Mama versagt zu haben.

Und dann war sie da.

Gesund, wunderschön und perfekt.

Ich war erleichtert.

Doch ich fühlte wenig.

Fühlte keine ach so große Liebe.

War einfach nur froh, dass es vorbei war.

Sah die Liebe meines Mannes.

Und fragte mich, was mit mir los war.

Erwartungen nicht erfüllt.

Enttäuschung groß.

Das machte mich fertig.

Machte mich traurig.

Ließ mich verzweifeln.

Ich wollte meine Tochter nicht anlegen.

Weil es einfach nur schmerzte.

#StillenIstLiebe.

#StillenIstDasWichtigsteFürMeinKind.

Ist es das wirkrlich?

Was wird uns Mamas eigentlich alles auferlegt?

Die Kinder mit Freuden gebären.

Unendliche Liebe verspüren.

Leidenschaftlich stillen.

Da kann man nur versagen.

Mamas vergleichen sich.

Ständig und überall.

In allen Situationen.

Auch dabei kann man nur versagen.

Ich war enttäuscht.

Enttäuscht und erschüttert.

Weil ich anders fühlte als es die Gesellschaft von mir erwartete.

Weil ich nach Gleichgesinnten regelrecht suchen musste.

Weil ich merkte, wie unehrlich Mamas sind.

Nach außen hin den Schein wahren.

Nur nichts von negativen Erfahrungen erzählen.

Von all den Schmerzen während und nach der Geburt.

Von den gemischten Gefühlen.

Von der großen Herausforderung, Mama zu sein.

Ich werde dieser bis heute nicht gerecht.

Fühle mich zerrissen.

Als Mama, die gerne arbeitet, muss man kämpfen.

Gegen das System.

Gegen die Gesellschaft.

Gegen andere Mamas.

Gegen die Männer.

Verständnis gibt es wenig.

Rechtfertigen muss man sich ständig.

Die 12 Monate Elternzeit haben wir Mamas reserviert.

Wenn man sie sich gerecht aufteilt, muss man sich erklären.

Ständig und überall.

Ich als Frau werde kritisiert.

Mein Mann wird gefeiert.

Ich darf nicht beides sein: glückliche Mama und berufstätig.

Mein Mann schon.

Und ich frage mich warum.

Warum die Rollenbilder immer noch so traditionell sind.

Warum die Gleichberechtigung von Mann und Frau spätestens ab Geburt des ersten Kindes aufhört.

Warum es so wenig Verständnis gibt.

Warum ich mich ständig rechtfertigen muss.

Ich liebe meine Kinder.

Ich liebe meine Arbeit.

Ich liebe meine selbstbestimmte Zeit.

Warum darf ich das nicht?

Warum haben die Männer dies gepachtet?

Was ist los mit uns Mamas?

Ich sehe viele Mamas leiden.

Zerbrechen unter dem Druck.

Unter der Selbstaufgabe.

Ich sehe die Ignoranz der Väter.

Die Zeit bei der Arbeit wird erhöht.

Väter arbeiten meist mehr als die üblichen 40 Stunden.

Wollen weiterhin Haupternährer sein.

Das Geld nach Hause bringen.

Zwei Monate Elternzeit.

Mehr geht nicht.

Alleine für die Kinder verantwortlich sein kommt selten vor.

Mama ist ja da.

In der gemeinsamen Elternzeit.

Ich sehe, wie Mamas ihre Partner bevormunden.

Wie sie ein schlechtes Gewissen haben.

Angst und Sorgen.

Aber auch Väter können sich kümmern.

Auch sie können eine innige Beziehung zu den Kindern aufbauen.

Sie müssen es nur wollen.

Und wir Mamas müssen es zulassen.

Ich zweifle an mir selbst.

Ich zweifle an meiner Rolle als Mama.

Weil ich mich als Exotin fühle.

Weil ich ständig am Kämpfen bin.

Ich kann nicht mehr.

Würde gerne aufgaben.

Meinen Job als Mama manchmal gerne kündigen.

Schon beim Schreiben bekomme ich ein schlechtes Gewissen.

Weil man so etwas nicht sagen darf.

Weder hier in Berlin, noch in Stuttgart.

Hier treffe ich auf mehr Gleichgesinnte.

Doch auch in Berlin herrscht das traditionelle Gedankengut vor.

Ich frage mich, was es braucht, dieses zu durchbrechen.

Ich frage mich, warum Mamas dies einfach so akzeptieren.

Warum sie so wenig an sich selbst denken.

An ihre Jobs.

Ihre Finanzen.

Ihre Rente.

Fast jede zweite Ehe wird geschieden.

Dann rutschen vor allem die Frauen ab.

Die durchschnittliche Rente von Frauen ist etwa halb so hoch wie die der Männer.

Wir Frauen machen uns abhängig.

Haben meistens zwei Jobs.

Von denen nur einer bezahlt wird.

Teilzeit ist Frauensache.

Männer machen Karriere.

Die Benachteiligung der Frauen scheint normal zu sein.

Fällt gar nicht weiter auf.

Ich sehe zwei Menschen, die gemeinsam ein Kind bekommen.

Aber nur eine davon kümmert sich.

Beim Schreiben werde ich traurig.

Und wütend.

Weil es so ist, wie es ist.

Wie es schon immer war.

Dabei gibt es gerade heute so viele Möglichkeiten.

Viel mehr, als man eigentlich denkt.

Wichtig ist doch, dass alle mit der Situation zufrieden sind.

Ich höre so viele Ausreden.

„Mein Mann verdient mehr als ich.“

„Gerade erst hat er den Job gewechselt.“

„Er will doch Karriere machen.“

„Er kann das einfach nicht so gut, sich kümmern.“

„Er hilft mir doch schon so viel.“

Helfen bei was?

Bei einer gemeinsamen Aufgabe?

Bei der Erziehung der gemeinsamen Kinder?

Wie nett von ihm.

Aber ich sehe es als selbstverständlich an, dass dies wirklich eine gemeinsame Arbeit ist.

Wo nicht der Vater der Mutter hilft und sie unterstützt.

Sondern wo man gemeinsam Entscheidungen trifft.

Im Alltag.

Sich gemeinsam kümmert.

Partnerschaftlich.

Als Team.

Ich habe das Gefühl, dass sich das viele wünschen würden.

Mamas, die dagegen ankämpfen müssen.

Papas, die oft einfach übergangen werden.

Vielleicht täusche ich mich auch.

Vielleicht denken die meisten doch anders als ich.

Dann bin ich einfach eine Exotin.

Aber auch dann werde ich weiter kämpfen.

Für die Rechte von Frauen.

Für das Wohlbefinden von Mamas.

Für die Inanspruchnahme der Vaterrolle.

Für mehr Gleichberechtigung.

Ich wünsche mir, dass mehr Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Ich wünsche mir, dass sich berufstätige Mamas nicht immer rechtfertigen müssen.

Ich wünsche mir, dass Väter mehr als die zwei Monate Elternzeit in Anspruch nehmen.

Ich wünsche mir mehr Verständnis von Arbeitgeber*innen.

Ich bin es leid, dass vieles so bleibt, wie es schon immer war.

Die Zeiten ändern sich.

Die Rolle der Frauen und Männer ändert sich.

Familienmodelle ändern sich.

Es wird Zeit, dies zu akzeptieren.

Und ja, ich liebe meine Kinder.

Und ich bin eine glückliche Mama.

Auch wenn ich arbeiten gehen will.

Wäre ich ein Mann, würde ich mich nicht erklären müssen.

Mich nicht rechtfertigen müssen.

Würde mir dies jede*r sofort glauben.

Aber ich bin eine Frau.

Ich bin Mama.

 


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6 Kommentare

  • Verena

    Ich verstehe deine Gedanken und auch deine Meinung. Manchmal frage ich mich aber ob du es dir nicht einfacher machen würdest, wenn du nicht so viel nach rechts und links schauen würdest. Dich einfach mal nicht rechtfertigst und die Anklagen der anderen unkommentiert stehen lässt. Sollen sie doch sagen und denken was sie wollen. Du kannst mit deiner Situation glücklich sein, die anderen hat das nicht zu interessieren. Ich weiß dass du einen Unterschied machen möchtest aber ist dafür der Preis manchmal nicht zu hoch und es wird ab und an Zeit für mehr Gelassenheit? Jetzt kannst du natürlich meine Meinung auch einfach ignorieren für mehr Gelassenheit ;-).

    • gedankenlichter

      Liebe Verena,
      danke für deinen ehrlichen Kommentar.
      Doch, ich glaube, manchmal wäre das einfacher. Aber ich merke, wie ich das einerseits nicht kann und auf der anderen Seite möchte ich es auch nicht. Weil ich mir wirklich wünsche, dass sich was ändert. Weil ich mir wünsche, dass Menschen ins Nachdenken kommen.
      Ja, ich bin mit meiner Situation glücklich. Und ich liebe mein Leben. Meistens zumindest. Aber nichts desto trotz ärgert mich das System, ärgern mich die Kommentare und ich kann nicht verstehen, warum wir Mamas vieles einfach so hinnehmen. Ich weiß, dass für viele das traditionelle System das richtige ist, für mich ist es das nicht und ich sehe wirklich viele Mamas die leiden. Und dafür möchte ich einstehen.
      Aber du hast Recht – ich würde manchmal wirklich gerne weniger nach rechts und links schauen und mich weniger rechtfertigen müssen… schaffst du das?
      Freue mich von dir zu hören und bald wieder persönlich mit dir zu reden!
      Deine Esther

  • Anonymous

    Hallo Esther,
    Du hast recht – die Zeiten ändern sich. Mamas gehen wieder arbeiten – meist nach 1 Jahr Babypause… und ich muss zugeben das ich vor einiger Zeit auch noch negativ darüber gedacht habe. Aber das mache ich auch nicht mehr..Wenn eine Mama mir sagt das sie wieder arbeiten geht ist das völlig ok für mich, denn jede Familie geht ihren Weg und möchte das Beste für sie. Falls ich dir gegenüber mal einen blöden Kommentar abgegeben habe der dich verletzt hat, dann entschuldige ich mich dafür.
    Du hast uns aufgefordert wie wir uns Mamas fühlen. Hier mal meine Gedanken:

    Wir haben eine Gemeinsamkeit: Du fühlst dich als Exotin – ich fühle mich als Exotin. 🙂 Ich fühle mich als eine Exotin weil ich nicht nach einem Jahr arbeiten gehe. Selbst nach vier Monaten mit meiner jüngsten Tochter werde ich schon gefragt wann ich wieder arbeiten gehe. Ich fühle mich als Exotin weil ich die ‘traditionelle Mama’ bin. Und es auch gerne bin.

    Ich sehe die Zeit eher als eine geschenkte Auszeit. Man, wir müssen soooo lange arbeiten.. wahrscheinlich bis ich 70 Jahre alt bin. Da hab ich noch 38 Jahre Arbeitszeit vor mir. Und so ist es eine Pause für mich, obwohl ich meinen Beruf liebe und vermisse.

    Und jetzt versuche ich das ‘Hausfrau’ sein als meinen Job zu betrachten und versuche ihn gut zu machen auch wenn er sich nicht sonderlich gut anhört wenn man ihn ausschreiben würde:
    – Arbeitszeiten von 7 Uhr bis 20.15 Uhr, Bereitschaftsdienst in der Nacht, ab und zu 30 min Mittagspause
    – psychisch der anstrengenste Job der Welt
    – Finanzen, Termine, Koordination der Familie
    – Bereit sein sich ständig wiederholen zu müssen
    – Hausarbeit: Kochen, Putzen, Wäsche machen und Aufräumen
    – Mit der Arbeit wird man nie fertig werden
    – die Hauptarbeit ist das Aufräumen
    – Haupterziehung der Kinder, da Papa erst 18.45 Uhr von der Arbeit kommt
    – gute Werte in die Kinder hereinlegen, den Kindern schon zeigen was gerecht bedeutet und das es hier auf der Welt leider keine Gerechtigkeit gibt, auch nicht in der Familie
    – mit der Umstellung klarkommen, was eine Schwangerschaft mit einem macht – vor allem die körperliche Veränderungen
    – Nachmittagsgestaltung damit die Kinder nicht aufeinander sitzen und anfangen zu streiten
    – für alle gleichzeitig da zu sein
    – Die Kinder aushalten können
    – Streitschlichter sein

    Lohnt sich der JOB?
    Ich sage ja – denn jedes einzelne ICH LIEBE DICH, ICH BRAUCHE DICH, LÄCHELN von der 4 Monatigen Tochter schenkt mir Glück.
    Ich sage ja – auch wenn meine 1. Tochter mich gerade oft in Rage bringt weil ich ihr Verhalten nicht verstehe/akzeptieren will.
    Ich sage ja – weil ich es genauso wollte und ich weiß – bald sind sie groß, bald gehen sie ihr eigenes Leben und dann habe ich auch wieder meines. Was sind 10 Jahre die nur meinen Kindern gehören im Vergleich zu meinem hoffentlich 80 Jahren?
    Auch ich verzweifle oft, denke oft das ich es nicht mehr will und ich will einfach mal ZEIT FÜR MICH zu haben.. aber ich erinnere mich immer an den Satz:

    DIE ZEIT VON DER ICH DACHTE, ICH WÜRDE SIE MEINEN KINDERN SCHENKEN, WAR IN WAHRHEIT DIE SCHÖNSTE ZEIT DIE MIR GESCHENKT WURDE.

    Ich möchte das dieser Satz wahr wird.
    Ich möchte immer weiter machen, Tag für Tag Gott um Weisheit und Liebe zu bitten und meine Fehler die ich an den Kindern mache nicht mehr zu machen.
    Ich möchte Dankbar sein, für alles was ich habe. Einen tollen Ehemann der mich so gut unterstützt und mich liebt und der ein Guter Papa ist. 3 schöne Töchter, Familie und Freunde um mich rum, eine tolle Wohnung und einen großen GOTT der mein Leben in der Hand hat.
    Ich möchte mein LEBEN genießen, und das jetzt – als Hausfrau, Mama, Frau, Freundin – als Damaris

    Hier noch meine Gedanken zu deinen Gedanken:

    Wir werden nie gleich sein wie die Männer, wir sind Frauen – die sind die Männer. Wir bekommen die Kinder – die Männer leider nicht. Wir können Stillen – Männer nicht. Ich habe auch oft den Gedanken mal tauschen zu wollen – und dann wieder nicht. Es ist schade das Männer es nicht erleben können wie Babies im Bauch strampeln, die Bewegungen spüren. Es ist ein Privileg das wir Frauen die Kinder bekommen. Ich sehe es als ein riesengroßes Geschenk an. Und klar, dadurch sind wir Mamas gebunden.. an die Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Ernährung des Babys wenn man Stillen will.
    Ich bin gerne eine Frau.

    Du fragst dich warum Mamas bzgl Geburt und Wochenbett nicht ehrlich sind. Das frage ich mich auch manchmal. So wie du dich gefühlt hast bei deiner ersten Tochter fühlen sich glaube ich die meisten. Du bist keine Seltenheit. In meiner Arbeit habe ich oft die Mamas gefragt wie sie sich fühlen, und meistens habe ich die gleiche Antwort erhalten – alles Sonnenschein – ! Und im Moment? Gefühlt klappt bei allen das Stillen.. nur bei mir wieder nicht so gut. Ich habe mal wieder eine Tochter die nicht gut zunimmt.. Ich glaube die Unehrlichkeit liegt an der Perfektion. Jeder möchte perfekt sein. Bei jedem soll es perfekt funktionieren. Jeder will das perfekte Kind. Und wenn die Situation/ das Kind nicht so ist, schämt man sich und kehrt es unter den Teppich oder macht es weg.
    Aber was ist perfekt/normal? Wer definiert das? Warum lassen wir uns so von der Gesellschaft stressen, die eine NORM vorgibt? Wir haben einen Gott der die Welt geschaffen hat und zu jedem einzelnen ob Mond, Sonne, Tier, Pflanze, Mensch gesagt hat: Es war gut.
    DU BIST 100 % GUT!

    Ich wünsche mir auch das mein Mann mehr Elternzeit nehmen könnte. Bei der 3. Tochter hat er es das erste Mal gewagt – auf seine Kosten. Sein Jahresziel wurde nicht gekürzt. Es ist gleich geblieben. Und jetzt muss er sich am Ende des Jahres rechtfertigen warum er es nicht geschafft hat. Schade.. 6 Monate Elternzeit für ihn? Da hätte er seinen Job kündigen müssen – er macht ihn aber gerne. Da wünsche ich mir auch das sich was ändert in der Wirtschaft. Aber das wird es nicht, denn der Wirtschaft, den Menschen ist das Geld am wichtigsten. Ich glaube das sich nie was ändern wird. Das hört sich jetzt negativ an…Wir waren auf einem guten Weg aber ich habe das Gefühl das es wieder rückwärts geht. Jeder hat eine andere Ausgangsposition.. andere Berufe/Gehälter. Für die einen ist es leicht mal die Elternzeit anders zu gestalten wie es die ‘Norm’ so macht, für die anderen schwieriger. Ich denke auch das jede Familie die Elternzeit anders nutzen könnte. Aber dafür braucht es jede Menge Mut und Vertrauen.

    Was ist richtig/was ist falsch? Wie gehen wir unser LEBEN an?
    Gott hat uns die Freiheit geschenkt Entscheidungen selbst zu fällen und ich glaube wenn wir sie in seinem Willen tun ist jede Lebensform oder Familienmodell normal und gut!

    Ich grüße dich, liebe Esthi.. ich saß jetzt 1 h 20 min dran dies zu schreiben. ..:-) und meine Kleine hat geschlafen!! Voll Gut! Das war Zeit für mich – ich hätte sie nur auf dem Sofa verbringen sollen statt auf dem Boden..:-)

    • gedankenlichter

      Liebe Damaris,

      vielen vielen Dank für deinen ehrlichen und langen Kommentar. Habe mich wirklich sehr darüber gefreut.

      Ja, es ist wirklich das Wichtigste, dass jede Familie ihren Weg geht. Nur manchmal habe ich das Gefühl, dass im Voraus gar nicht wirklich darüber geredet wurde, wie man sich die Arbeit aufteilt, wenn Kinder zur Familie hinzukommen. Dass gar nicht andere Möglichkeiten als die traditionelle in Betracht gezogen werden.

      Dass du dich als Exotin fühlst, kann ich auch wieder verstehen – und ich war wahrscheinlich die Erste, die dich gefragt hat, wann du wieder arbeiten gehst 😉 falls dich das verletzt hast, tut es mir echt leid. Ich bewundere dich und andere Mamis, die gerne „traditionelle Mama“ sind. Ich kann und schaffe das nicht, will dies aber auch nicht.

      Ja die Zeit ist eine Auszeit, das sehe ich auch so – aber ich frage mich: Warum dürfen nur wir Frauen diese Auszeit haben? Wobei man ja sagen muss, dass diese Auszeit keine Freizeit ist… aber das muss ich dir glaube ich nicht sagen 😉

      Deine Jobbeschreibung ist der Hammer 🙂 Danke dafür! Habe mich sehr drin wiedergefunden.

      Ja, wir werden nie gleich sein, also wir Männer und Frauen. Aber ich glaube, dass es nach Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit keine so großen Unterschiede mehr gibt. Dann kann genauso auch der Vater sich kümmern…

      Deine Frage, warum wir uns so von der Gesellschaft, von der Norm stressen lassen, stelle ich mir so oft. Das ist einfach traurig, und irgendwie empfindet jede*r so, und doch macht jede*r dabei mit. Es kotzt mich an, bei Instagram ständig happy clappy Mamis mit ihren Babys zu sehen. Alles ist perfekt, das Baby schreit nie, man ist immer gut gelaunt…

      Dass sich nie was ändern wird, glaube ich nicht. Ja es gibt Berufe und Gehälter die mehr zulassen und ich weiß, dass wir mit unseren Jobs in der Hinsicht privilegiert sind. Aber ich glaube dennoch, dass es für jeden mehr Möglichkeiten gibt – aber ja, dazu braucht es manchmal Mut und Vetrauen. Aber warum nicht mal was wagen?
      Karriere machen kann man auch noch nach der Kleinkindphase – sowohl die Männer als auch die Frauen.

      Danke. Danke liebe Maris, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich habe mich sehr darüber gefreut und wäre gerne weiterhin mit dir im Austausch. DANKE.

      Ich habe dich lieb! <3

  • Tabea

    Erst heute kam ich zum lesen.
    Danke, Esther, für deine offenen mutigen Worte.
    Danke, Damaris, für deinen Kommentar, gerade auch die Stellenbeschreibung.
    Für mich das Schwierigste an dem Ganze ist, dass Mamas sooo viel arbeiten und nicht entlohnt werden.
    Ich bin sehr gerne Mama, möchte Zeit haben für meine Kinder. War sehr lange “nur” Mama.
    “Nur”?
    Ist schon negativ belegt, finde ich. Als unser erstes Kind vor fast 20 Jahren zur Welt kam, musste ich mich nicht rechtfertigen zu Hause zu bleiben. Es war die Regel. Vor fast 9 Jahren wurde unser 5. Kind geboren. Ich war weit und breit fast die Einzige, die ihr Kind nicht unter 3 Jahren in die KiTa gebracht hat. Jetzt musste ich mich rechtfertigen. Das wollte ich aber nicht. Ich war (meist) gerne bei meinen Kindern.
    Die Gesellschaft hat sich in den fast 11 Jahren – von unserem Ältesten bis zu unserer Jüngsten – doch gewandelt.

    Mir war nicht langweilig. Im Gegenteil, hatte kaum Pausen für mich – habe investiert, viel investiert – in kostbares Leben – doch ohne Bezahlung. Da sollte sich etwas ändern.
    Wie Damaris schon geschrieben, wir haben das Vorrecht ein Kind auszutragen, zur Welt zu bringen, was definitiv in dem Moment nicht schön ist und das Kind, wenn möglich, zu stillen.
    Das hat Gott so wunderbar eingerichtet:
    Im Psalm 22,10 heißt es: „….an der Mutterbrust hast du mich Vertrauen gelehrt.” In der Nähe zur Mutter entsteht Urvertrauen, entsteht Bindung. Wenn wir akzeptieren, dass es so von Gott eingerichtet ist, dass diese Aufgabe eine Frau machen darf und wenn wir dankbar dafür sind, dann werden wir dabei glücklicher. Dankbarkeit macht glücklich!

    Das war ich zwischendurch oft auch nicht. Habe mich mit anderen verglichen und wollte, immer mal wieder auch aus dem “Mama – Sein” aussteigen.
    Das kam daher, dass es immer schwerer war zu sagen: “Ich bin zu Hause bei den Kindern”. Diesen Druck von außen verspürte ich.
    Bis ich eines Tages den Satz hörte: “Mutter sein ist ein Qualitätsmerkmal”
    Das musste ich erst durchbuchstabieren. Es zeigte sich der Effekt! Wow! Ein Qualitätsmerkmal!

    MAMA -SEIN – ein QUALITÄSMERKMAL!

    Ich sehe, wie heute viele Vollzeit Mamas kämpfen und sich dadurch rechtfertigen müssen.
    Inzwischen bin ich auch nicht mehr “nur” (da ist es wieder das Wort…) Mama.
    Das tut gut, dies zu sagen – ich frage mich, warum?
    Die Gesellschaft ändert sich doch!

    Wofür ich weiter einstehe: Sich mindestens die ersten zwei bis drei Jahre Zeit für das Kind zu nehmen. Im ersten Lebensjahr gibt es für das Kind, die so lebensnotwendige primäre Bezugsperson, und bestenfalls ist das die leibliche Mutter. Denn das Kind kennt ihren Herzschlag, ihre Stimme vom ersten Augenblick an. Eine Mutter verhält sich in der Regel intuitiv feinfühlig gegenüber ihrem Kind und kann somit am Besten die Feinzeichen ihres Babys erkennen und darauf reagieren, was zu einer sicheren Bindung führt.

    Die Zeit kommt nicht mehr zurück. Das erste Kind von uns hat bald seine eigene Wohnung. Ich frag mich, wo ist die Zeit geblieben?
    Vor mir liegen noch viele Jahre, in denen ich Geld verdienen kann. Ja, Geld verdienen! Ich mag nicht, wenn man mich frägt: “Gehst du arbeiten?” Denn das mache ich schon Jahre lang – WertVolle Arbeit – Ehrenamtlich! Mehr als 40 Stunden in der Woche – selbst im sogenannten Urlaub – ich nenne es lieber “Tapetenwechsel”.

    • gedankenlichter

      Liebe Tabea,
      danke für deinen Kommentar.
      Ja, die Gesellschaft wandelt sich, aber ich finde in mancher Hinsicht nicht schnell genug.
      Ich sehe es genau so wie du, dass die Arbeit zuhause bei den Kindern auf jeden Fall Arbeit ist – meistens anstrengender als die Arbeit, die man erlernt hat und die bezahlt wird (ich nenne es mal den eigenen JOB).
      Aber ich glaube eben, dass auch Männer in die Hausarbeit und Kinderbegleitung (und -erziehung) miteinbezogen werden müssen/sollen. Und zwar mehr als bisher. Damit es eben gleichberechtigt ist. Und das ist es so gut wie nie. Und das ist das was mich so ärgert. Dass ein Mann beides haben darf – seine bezahlte Arbeit (seinen Job) und Kinder. Und wir Frauen uns dahingehend zurücknehmen, viel mehr Arbeit leisten (oft Teilzeit im Job und dann noch den Hauptteil in der Haus- und Kinderarbeit) und eben viel weniger Geld in die Rentenkasse einbezahlen.
      Und was ist dann mit 65? Wenn beide in Rente sind? Wer arbeitet dann weiter? DIE FRAU! Weil sie bisher immer alles im Haushalt gemacht hat und dieser muss bis zum Ende weitergeführt werden. Das ist das was ich sehe und wofür ich kämpfe, dass es sich ändert.
      Ja, es wird wahrscheinlich und hoffentlich noch viele Jahre zum Geld verdienen geben und du sagst, es ist ein Tapetenwechsel, mal zuhause zu sein. Ja das ist es – aber ich frage mich, warum wir dies nicht auch mal den Männern gönnen? Haben wir das für uns gepachtet?
      Ja, es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, aber nicht so große Unterschiede wie die Gesellschaft es uns vorspielt. Wir können schwanger sein, gebären und stillen, aber anschließend gibt es keine Unterschiede mehr. Finde ich. Und ich sehe, wie gut es bei uns klappt. Wie unsere Kinder ihrem Papa vertrauen. Wie er sie genauso gut wie ich ins Bett bringen kann, sie beruhigen kann. Sie machen keinen Unterschied zwischen uns. Weil sie uns beide (fast) gleich gewöhnt sind und wir beide ihre primären Bezugspersonen sind.
      Und für mich ist mein Job nicht nur “Geld verdienen”. Ich liebe meinen Job und meine Kolleg*innen und gehe sehr gerne dorthin. Nicht nur zum Geld verdienen, sondern auch um etwas für mich zu tun, um selbstbestimmter zu arbeiten und meine Ausbildung einzusetzen.
      Denn so wie du geschrieben hast ist die Arbeit mit den Kindern zuhause wirklich meist ohne Pausen. Ich kann nicht einfach wenn ich Lust habe einen Kaffee trinken, shoppen gehen oder sonst was machen. Es muss zu den Launen und Zeiten der Kinder passen. Und ich finde, das müssen auch mal die Papas erleben um das zu schätzen, was FRAU schon tausende von Jahren macht!

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