Berlin: Elternzeit mal anders

Selig sind…

Gedanken über das Vergleichen 

Spontan und selbstbestimmt gebären.

Schön schwanger sein.

Schmerzfrei stillen.

Möglichst schnell entbinden.

Wehen gut veratmen.

Keine Geburtsverletzungen haben.

Schnell wieder auf den Beinen sein.

Entspannte Kinder bekommen.

Ruhige Nächte genießen.

Stark sein.

Wünsche rund um Geburt und Schwangerschaft.

Wünsche, mit denen wir vergleichen.

Wie viele solcher Vergleiche gibt es wohl?

Die Liste könnte wohl endlos fortgesetzt werden.

Manche Sätze habe ich genau so gedacht.

Manche denke ich immer noch.

Und manche werden wohl einige in Bezug auf mich denken.

Ich erwische mich immer wieder.

Wie ich mich vergleiche.

Nicht nur, wenn es um dieses Thema geht.

Um Schwangerschaft und Geburt.

Aber momentan ist mit dies sehr präsent.

Ich erwische mich.

Wie ich mich schlechter fühle.

Mich besser fühle.

Traurig bin.

Stolz bin.

Die Vergleiche, die mich runterziehen wiegen schwerer.

Begleiten meine Gedanken.

Machen mich angreifbar.

Verletzlich.

Ich weiß darum.

Kämpfe dagegen an.

Und werde trotzdem immer wieder davon eingeholt.

Ich durfte drei Kinder gebären.

Alle spontan.

Eine Hausgeburt erleben.

Ohne Komplikationen.

Was sich wohl viele wünschen würden.

Und ich bin sehr sehr dankbar dafür.

Aber was denke ich trotzdem?

Nachdem meine beste Freundin eine sehr schnelle Geburt erleben durfte?

„Das hätte ich mir auch mal gewünscht!“

Aber warum?

Warum denke ich das?

Warum kann ich nicht zufriedener sein?

Zufrieden sein mit dem, was ich habe?

Was ich erleben durfte?

Wie es mir geht?

Warum schaue ich so viel nach links und rechts?

Warum bin ich mir selbst nicht genug?

Wem muss ich denn etwas beweisen?

Jede Woche notiere ich mir, wofür ich dankbar bin.

Und es gibt so vieles.

Ich kann für so vieles dankbar sein.

Und das weiß ich.

Eigentlich.

Und bin deshalb immer wieder schockiert.

Schockiert über mich selbst.

Weil ich mich wieder mal vergleiche.

Haben will, was andere haben.

Wie ein kleines Kind.

Einfach mal eine schmerzfreie Stillzeit erleben.

Einfach mal schnell gebären.

Einfach mal genügend Milch für mein Baby haben.

Und so weiter.

Und so fort.

Und wenn ich das alles hätte?

Wenn ich das alles erleben dürfte?

Ja, was dann?

Wäre ich dann glücklicher?

Erfüllter?

Reicher an Erfahrungen?

Ich würde wieder etwas finden.

Wäre mir selbst wieder nicht genug.

Hätte die gleichen Gedanken.

Ist das nicht traurig?

Warum machen wir uns das Leben so schwer?

Erstmal uns selbst.

Und dann noch uns gegenseitig.

Vor allem wir Mütter.

„Mom-Bashing“ wird das genannt.

Ein permanenter Wettkampf.

Wer länger stillt.

Spontan und schnell entbindet.

Wer die perfekte Mutter ist.

Alles gewuppt kriegt.

Wessen Kind am besten schläft.

Wer den besten BIO-Brei kocht.

Welches Kinder weniger nervt.

Und all dies endet dann im Mobbing.

„Mom-Shaming“.

Mütter kritisieren sich gegenseitig.

Für den Umgang mit dem eigenen Kind.

Das beginnt bereits in der Schwangerschaft.

Und endet…

Ja, wann?

Sehr interessant, dass es gleich zwei Begriffe dafür gibt.

Für dieses Vergleichen-Phänomen.

Mom-Bashing.

Mom-Shaming.

Und wo sind hier eigentlich die Väter?

Warum sind sie wieder Mal fein raus?

(Vergleiche ich hier etwa schon wieder?)

Was passiert hier?

Was machen wir eigentlich?

Warum machen wir uns gegenseitig das Leben so schwer?

Warum uns selbst?

„Selig sind, die sich nicht vergleichen!“

Ein Satz, den mir mein Mentor gesagt.

In meinem Referendariat.

Nachdem meine Kollegin eine tolle Prüfung abgelegt hatte.

Und ich direkt vor meiner stand.

(Lang, lang ist es her.)

Er wollte mich beruhigen.

Den Fokus auf mich und mein Können lenken.

„Diese Seligpreisung hat Jesus wohl vergessen.“

Meinte er.

Mein Mentor.

Und dieser Satz begleitet mich bis heute.

Ich denke sehr oft daran.

Weil er Recht hat damit.

Ich wünschte, ich könnte ihn noch mehr leben.

Mehr auf mich sehen.

Weniger auf andere.

Dankbarer werden.

Weniger vergleichen.

Ja, das ist schwer.

Eine stetige Herausforderung.

Aber ich will nicht aufgeben.

Weiter dazulernen.

Glücklich sein.

„Selig sind, die sich nicht vergleichen.

Denn sie werden glücklich sein.“

 


Danke an meine beste Freundin Jassi.

Danke an meinen Mentor Alex.

2 Kommentare

  • Damaris

    Hey du Liebe!I
    Ich finds toll dass du so ‚Alltagsgedanken‘ aufs Papier bringst. Das Vergleichen macht man ja oft auch unterbewusst, nebenher und es ist schon fast zu ‚normal‘.
    Aber ja – oft belastend und manchmal kann man dadurch auch was gutes bei jemanden abschauen.
    Ich vergleiche gerade nicht so sehr mich mit anderen, sondorn oft meine erste Tochter mit anderen Freundinnen/ Schülern.. und merke das ich sie oft dadurch schlecht mache. Warum kann ich sie nicht einfach so stehen lassen wie sie ist?

    Du fragst dich warum bei den Begriffen Mom-Shaming, Mom- Bashing die Papas nicht mitdrin ist.. nun ja,
    Ich glaube das Thema ‚Vergleichen’ betrifft tatsächlich eher das weibliche Geschlecht. Da kann ich mich und mein Mann ‚vergleichen’. 😊 wer vergleicht mehr? Auf jeden Fall ich..
    Er ist vom Typ schon so einer der sich weniger Sorgen macht.

    Selig sind die, die in jeder Situation, Moment, Tatsache dankbar sein können! 😊

    Grüße dich ! 😘

  • Sabrina

    Oh man, deine Worte treffen mich richtig ins Herz. Ich bin genauso. So reich und beschenkt, aber irgendwie kann ich es nicht genießen. Warum? Ich hätte gerne einen Schalter mit dem man alles vergleichen sofort ausstellen könnte.

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