Ein Kopf voller Gedanken

Warum ich eine gute Mutter bin

Gedanken darüber, warum ich Schwierigkeiten damit habe, dies zu akzeptieren

„Ich kann das einfach nicht.

Ich bin nicht dafür gemacht, Mutter zu sein.

Alle anderen können das viel besser.

Ich bin keine gute Mutter.“

Alle diese Gedanken habe ich.

Leider.

Immer wieder.

Zu oft.

Ich schaue nach rechts und links.

Vergleiche.

Weiß, dass das nicht gut ist.

Dass mich das nur deprimiert.

Mir schadet.

Mir sitzen die Ansichten der Gesellschaft im Nacken.

Weil irgendwie jede*r genau weiß. wie eine Mutter zu sein hat.

Was ihre Aufgaben sind.

Welchen Stellenwert sie in der Gesellschaft einnimmt.

Und genau damit hatte ich zu kämpfen.

Nach der Geburt unseres ersten Kindes.

Damit habe ich immer noch zu kämpfen.

Manchmal.

Gott sei Dank nicht mehr so oft.

Ich habe mich so oft gefragt, was falsch mit mir ist.

Warum ich in meinem „Mama-da-sein“ nicht so vollkommen aufgehe.

Wie ich es erhofft hatte.

Wie andere Mamas anscheinend schon.

Dass der Schein oft auch trügt ist mir schnell klar geworden.

Dass sich Mütter selbst und anderen gegenüber oft nicht ehrlich sind, auch.

Wie kann man denn auch ehrlich sein, wenn so viel von einer Mutter erwartet wird?

Sie soll bitte so natürlich wie möglich gebären.

So lange wie möglich stillen.

Mindestens ein komplettes Jahr zuhause bleiben.

12 Monate Elternzeit.

12 Monate Elterngeld.

Der Vater bleibt zwei Monate zuhause.

Höchstens.

Er ist ja „nur“ der Vater.

Hat das Kind ja nicht geboren.

Kann ja nicht stillen.

Die Mutter muss sich kümmern.

Alles andere wäre irgendwie nicht richtig.

Passt nicht in die Erwartungen der Gesellschaft.

A propos Gesellschaft.

Wer ist das eigentlich?

Diese Gesellschaft?

Die diese Erwartungen hat?

Das sind wir.

Du und ich.

Wir bestimmen wesentlich mit, was die Gesellschaft für eine Meinung hat.

Wir können etwas tun um diese zu verändern.

Wenn uns die Meinungen nicht passen.

Aber zurück zu den Erwartungen.

An die Mütter unserer Gesellschaft.

Eine Mutter soll schlank und fit sein

Sie soll immer gut aussehen.

Und ihre Kinder auch.

Und ihr Zuhause sowieso.

By the way.

Warum eigentlich IHR Zuhause?

IHRE Kinder?

Wohnt sie alleine darin?

Sind es ihre alleinigen Kinder?

Oder gibt es noch einen Mann dazu?

Wo ist denn sein Aufgabenbereich?

Ach ich vergaß:

Er muss ja die Welt retten.

Geld verdienen für seine Familie.

Das kann nämlich ausschließlich er.

Aber wieder zurück.

Zu den Erwartungen.

Wobei das eben ja auch welche waren.

Aber an den Vater.

Meine Gedanken wirbeln umher.

Eine Mutter hat sich nicht zu beklagen.

Weil sie ja Kinder wollte.

Es meist ihre eigene Entscheidung war.

Ja, ich wollte Kinder.

Eine Mutter soll nach genau einem Jahr wieder arbeiten gehen.

Aber bitte in Teilzeit.

Wenn sie weiterhin zuhause bleibt, ist sie eine Helikopter-Mama.

Wenn sie vorher oder in Vollzeit arbeiten geht, eine Raben-Mama.

Also gibt es wohl kein richtig.

Eine Mutter kann sich nur falsch entscheiden.

Und genau das ärgert mich.

Dass ich mich dadurch unter Druck gesetzt fühle.

Dass ich denke, ich bin keine gute Mutter.

Weil ich diese ganzen Erwartungen nicht erfüllen kann.

Nicht erfüllen will.

Ich bin nicht dafür gemacht, Mama zu sein.

Das ist das, was ich oft fühle und denke.

Ich hatte Erwartungen.

Große Erwartungen.

Zu große Erwartungen.

Was das „Mama-da-sein“ betraf.

Und wurde enttäuscht.

Von den Umständen.

Der Gesellschaft.

Mir selbst.

Ich musste mich davon frei machen.

Bin immer noch dabei.

Lerne jeden Tag dazu.

Weil ich weiß. dass mir die anderen egal sein müssten.

Dass es mich nicht kümmern sollte, was die anderen denken.

Weil es letztendlich um MICH geht.

Um uns als Familie.

Um meinen Mann, unsere beiden Kinder und mich.

Und dann kann ich klarer sehen.

Sehen, dass ich sehr wohl eine gute Mutter bin.

Und warum ich eine gute Mutter bin.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich für unsere Kinder da bin.

Ich nehme sie in den Arm, wenn sie dies brauchen.

Ich tröste sie, wenn sie traurig sind.

Ich lache, singe und spiele mit ihnen.

Ich höre ihnen zu, wenn sie mir etwas sagen wollen.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich mit meinem Mann im Gespräch bin.

Wir sprechen über unsere Kinder.

Wir reden über ihre Begleitung.

Ihre Bedürfnisse.

Wir teilen Schönes und Sorgen miteinander.

Wir begleiten unsere Kinder gemeinsam.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich unsere Kinder mit in den Alltag nehme.

Ich koche, backe und putze mit ihnen.

Ich gehe mit ihnen einkaufen.

Ich gehe ohne sie zu meinem Job als Lehrerin.

Es ist normal für sie, dass Mama und Papa, dass beide arbeiten gehen.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich schöne Sachen mit unseren Kindern unternehme.

Ich besuche andere Familien mit ihnen.

Ich gehe mit ihnen auf den Spielplatz.

Gehe mit ihnen an den See.

Fahre Fahrrad.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich versuche, auf Strafen zu verzichten.

Ich bin mit unseren Kindern im Gespräch.

Sehe sie als gleichwertig an.

Begegne ihnen auf Augenhöhe.

Ich höre ihnen zu.

Nehme ihre Bedürfnisse wahr.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich an mir arbeite.

Ich versuche, mein Schreien in den Griff zu bekommen.

Weniger zu schimpfen.

Nicht mehr so schnell aus der Haut zu fahren.

Geduldiger zu werden.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich Bedürfnisorientierung groß schreibe.

Ich nehme meine Bedürfnisse wahr.

Die Bedürfnisse meines Mannes.

Die unserer Partnerschaft.

Und die unserer Kinder.

Ich sehe alle diese Bedürfnisse als gleich wichtig an.

Ich bin eine gute Mutter, weil ich Mutter bin.

Und das will ich mir sagen.

Jeden Tag.

Manchmal gelingt es mir besser.

Manchmal weniger gut.

Ich habe oft Schwierigkeiten damit, dies zu akzeptieren.

Zu akzeptieren, dass ich eine gute Mutter bin.

Weil ich mich oft falsch fühle.

Weil ich gerne arbeiten gehe.

Gerne Zeiten für mich habe.

Und diese auch sehr genieße.

Weil es mir nicht schwer fällt, meine Kinder von anderen, vertrauten Personen betreuen zu lassen.

Weil ich doch eigentlich ganz erfüllt sein müsste.

In meinem „Mama-da-sein“.

Es aber nicht immer bin.

Einen kompletten Tag alleine mit unseren Kindern finde ich meist eintönig und öde.

Meine Bedürfnisse immer hintenan zu stellen fällt mir schwer.

Ich habe das Gefühl, dass andere mich nicht verstehen.

Dass sie denken: „Warum hat sie überhaupt Kinder?“

Weil ich das einfordere, was Väter automatisch haben.

Arbeit und Kinder.

Manchmal denke ich, dass meine Bindung nicht eng genug ist.

Zu unseren Kindern.

Weil ich zu wenig Zeit mit ihnen verbringe.

Weniger Zeit als andere Mütter.

Beim Schreiben merke ich, wie alle diese Gründe relativ sind.

Abhängig von anderen.

Anderen Meinungen.

Anderen Lebensstilen.

Anderen Ansichten.

Ich sehe Mütter, die ihre Bedürfnisse ständig hintenan stellen.

Die im „Mama-da-sein“ vollkommen aufgehen.

Und das setzt mich unter Druck.

Weil ich das so nicht kann und nicht will.

Wenn ich nur auf mich schaue, geht es mir besser.

Viel besser.

Weil es kein Vergleichen gibt.

Mich nichts mehr unter Druck setzt.

Ich arbeite daran.

An meinen negativen Gedanken.

Am Nicht-Vergleichen.

Ich lerne jeden Tag dazu.

Sage mir jeden Tag, dass ich eine gute Mutter bin.

Die beste Mutter für unsere Kinder.

Ja, ich bin eine gute Mutter.

Trotz und wegen all der genannten Gründe.

Ich bin eine gute Mutter.

Ich bin gut.

So wie ich bin.

3 Kommentare

  • Carmen

    Liebe Esther,

    ich bin auch eine gute Mutter gerade weil ich arbeiten gehe und somit sehr ausgeglichen und zufrieden bin und sich das auf meinen Sohn auswirkt. Ich war sogar nach dem Mutterschutz wieder arbeiten, da mein Mann die ersten 19 Monate Elternzeit genommen hatte. Natürlich wurde ich gefragt, wie sich das anfühlt, wenn man sein kleines Kind morgens verlässt. Dabei habe ich mein Kind ja nicht verlassen, es war bei seinem Vater, der es genauso liebt wie ich. Ich habe gelernt, mich nicht mehr von der Sichtweise anderen Leuten verunsichern zu lassen.

    Ich bin eine gute Mutter, weil ich meinem Sohn enge Kontakte zu anderen sehr lieben Personen ermögliche, die auch sehr gerne Zeit mit ihm verbringen möchten (Oma, Patenonkel, etc…).

    Ich bin eine gute Mutter, weil ich die Zeit mit meinem Sohn genieße und ihn als eigenständige Person wahr nehme. Ich wurde sehr von Janusz Korczak inspiriert. Er hat schon damals gesagt, dass man seinem Kind auf Augenhöhe begegnen und dass man es vor allem als Person ernst nehmen und achten soll.

    Ich bin eine gute Mutter, weil ich meinen Sohn über alles liebe, ihn aber nicht mit meiner Liebe ersticke und wie eine Glucke an ihm hänge. Ein Kind braucht nicht nur eine liebende Mutter, sondern auch andere Bezugspersonen und seinen Freiraum.

    Liebe Grüße
    Carmen

    • gedankenlichter

      Danke Carmen 🙂 Deine Worte tun gut und ich kann sie total unterschreiben! Danke 🙂 Danke für deinen Kommentar 🙂

      • Damaris

        Hallo Esther,
        Du bist nicht alleine mit den Gedanken. Ich glaube das JEDE Mutter ( und auch Väter) an sich zweifelt. Jeder Frägt sich:
        Bin ich gut genug?
        Hätte ich anders reagieren sollen?
        Schaffe ich es das meine Kinder sich geboren fühlen und ihnen nichts passiert?
        Was ist wenn sie ausbrechen, nicht so sind wie wir es uns vorstellen- ist das meine Schuld?

        Solche Fragen stelle ich mir auch
        Und umso mehr ich frage, wird man unsicherer.

        Ja wir sind gute Mütter und Väter, wenn wir unser Handeln immer wieder reflektieren und überdenken
        Und Ja wir sind gute Mütter wenn wir unsre Kinder lieben und sie so sein dürfen wie sie sind!

        Wir machen es gut, weil auch wir geliebt sind!

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