Ein Kopf voller Gedanken

Großzügigkeit

 

Gedanken über eine ungewohnte Situation

Ich mache etwas „dir zuliebe“.

Ohne etwas von dir zurückzuerwarten.

Ohne eine Gegenleistung.

Das heißt Großzügigkeit.

Andere in den Blick nehmen.

Ohne mich selbst dabei zu vergessen.

Denn Großzügigkeit heißt auch großzügig zu sich selbst zu sein.

Sich selbst zu akzeptieren.

Anzunehmen.

Mit allen Fehlern und Schwächen.

Es heißt, mit sich selbst Frieden zu schließen.

Bin ich denn bereit, mein Leben so anzunehmen, wie es ist?

Das heißt nicht, stehen zu bleiben.

Nicht, keine Weiterentwicklung zu wollen.

Es heißt, das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann.

Nicht darauf zu beharren, ein sorgenfreies Leben zu genießen.

Nur glückliche Momente zu haben.

Gute Bedingungen im Leben.

Dies nicht zu erwarten ist großzügig.

Es nicht als selbstverständlich in Anspruch zu nehmen.

Sondern etwas von dem weiterschenken, was wir haben.

Gute Bedingungen im eigenen Leben sinnvoll nutzen.

Weitergeben, wenn es uns gut geht.

Großzügigkeit heißt Frieden schließen.

Mit dem was ist und mit dem was war.

Großzügigkeit heißt loslassen.

Immer dann, wenn wir auf etwas beharren werden wir leiden.

Das Leben nimmt seinen eigenen Verlauf.

Wir können es nicht festhalten.

Aber wir können es akzeptieren.

In der gelebten Wirklichkeit, in der wir uns gerade befinden.

Vor allem in der jetzigen Zeit.

In der uns eine äußerst ungewohnte Situation antrifft.

In der wir von so vielem loslassen müssen.

Soziale Kontakte einschränken.

Arbeiten von zuhause aus.

Keine Treffen mit den Großeltern unserer Kinder.

Um die Ansteckung einzudämmen.

Großzügig zu sein gegenüber meinen Mitmenschen.

Mitgefühl zu haben.

Die Anderen in meine Wünsche miteinzubeziehen.

Ich will überleben.

Und ich will, dass meine Mitmenschen überleben.

Ich will genug zu Essen haben.

Und genügend Hygieneprodukte.

Und ich will das auch für meine Mitmenschen.

„Jedes ICH-zentrierte Handeln verursacht Leid.“

Diese Aussage wird in Notsituationen erst richtig real.

Wie stark denken wir zur Zeit an unsere Mitmenschen?

Gebe und gönne ich den Anderen das, was ich mir selbst wünsche?

Gesundheit, Versorgung und soziale Kontakte?

Ich erschrecke über die Selbstsucht und Ignoranz von uns Menschen.

Ich erschrecke über mich selbst.

Ich sehe meine kleinen Sorgen und Nöte.

Dass unsere Kinder nicht mehr von ihren Großeltern betreut werden können.

Dass unsere Tochter morgen keine Geburtstagsfeier mit vielen Gästen bekommen kann.

Dass die Beerdigung meiner Schwiegeroma nur (wenn überhaupt) in kleinstem Kreise stattfinden kann.

Dass wir nicht mehr auf Spielplätze gehen können.

Dass wir uns nicht mehr mit jedem treffen sollen.

Aber was sind das für Kleinigkeiten im Bezug auf andere Situationen!

Situationen von Menschen, die von der Corona-Krise viel stärker betroffen sind.

Die liebe Menschen verlieren.

Deren Existenz bedroht ist.

Angehörige nicht mehr zu Besuch kommen dürfen.

In Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Die sich jeden Tag dem Ansteckungsrisiko aussetzen müssen aufgrund ihrer Arbeit.

Wer denkt an all die Geflüchteten?

Wer sorgt dafür, dass sich die Pandemie dort nicht weiter ausbreitet?

Welche Leben halten wir für schützenswert und welche nicht?

Plötzlich treten ungeahnte Kräfte und Möglichkeiten ins Spiel.

Wenn der Westen bedroht ist.

Wenn ich selbst bedroht bin.

Krisen außerhalb unserer Komfortzone sind uns oft egal.

Geraten ins Abseits.

Hungernde Kinder.

Geflüchtete aus Kriegs- und Notgebieten.

Kranke Menschen.

Was machen denn Wohnungslose bei Ausgangssperren?

Wo kaufen Armutsbetroffene Grundnahrungsmittel?

Sozialmärkte und Tafeln erhalten keine Lebensmittel mehr.

Weil viele von uns nur an sich denken.

Alles leer kaufen.

Hamstern und horten.

Was tun Betroffene häuslicher Gewalt, die nun mit den Täter*innen zuhause eingesperrt sind?

Wie groß ist denn nun meine eigene „Not“ angesichts dieser Tatsachen?

Und das waren sicherlich noch nicht alle.

Ich wünsche mir mehr Großzügigkeit.

Ein weiteres Herz.

Mehr Dankbarkeit.

Ich wünsche mir, dass ich erkenne, was ich alles habe.

Um Kraft für diese ungewohnte und schwierige Situation zu haben.

Um mein Herz für meine Mitmenschen öffnen zu können.

Ich wünsche mir mehr Liebe.

Mehr „dir zuliebe“als „wie du mir so ich dir“.

Ich wünsche mir eine verzeihende Haltung.

Gegenüber mir selbst.

Meinen Mitmenschen.

Den ganzen Verantwortungsträger*innen.

Ich wünsche mir mehr Rücksichtnahme.

Bei Supermarkteinkäufen.

Auf die ältere Generation.

Risikogefährdete Menschen.

Ich wünsche mir, dass wir uns alle etwas weniger wichtig sehen.

Unsere Mitmenschen in Blick nehmen.

Aufeinander achten.

Uns gegenseitig unterstützen.

Ich wünsche mir, dass wir großzügig sind.

Gerade in solchen Zeiten.

Die für uns ungewohnt sind.

Lasst uns Solidarität zeigen.

Großzügig sein.

Ich will es versuchen.

Bist du dabei?

 


# LINK

Blogbeitrag zu “Großzügigkeit in Paarbeziehungen” von PAARmanufaktur


# QUELLEN

“Beziehungsglück – Die Kraft der Großzügigkeit” von Elisabeth Reisch und Eberhard Bojanowski

Instagram-Beitrag von @fraufrasl

 

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